Nachhaltige Arbeitskleider sorgenfrei beschaffen – aber wie?

Arbeitskleidung muss vor allem bequem und alltagstauglich sein. Komfort und Optik spielen heute bei der Auswahl der richtigen Firmen- und Arbeitskleidung oft eine genauso wichtige Rolle wie Schutz, Sicherheit oder Funktionalität. Für immer mehr Unternehmen ist die Nachhaltigkeit bei der Beschaffung ein zentrales Thema. Warum das sinnvoll ist, worauf Sie dabei als Einkäuferin oder Einkäufer achten sollten und wie Sie mögliche Stolpersteine bei der Beschaffung von nachhaltigen Arbeitskleidern erfolgreich umgehen, will ich Ihnen in diesem Beitrag zeigen.

Marco Meier
Auszug aus meiner Praxisarbeit des CAS Corporte Responsibility an der ZHAW

Eigentlich liegt es auf der Hand: Unternehmen erneuern ihren Flottenpark mit energiesparenden und emissionsarmen Fahrzeugen. Sie investieren in wasser- und energiesparende Produktions- und Logistikprozesse. Andere produzieren eigenen Solarstrom auf den Dächern ihrer Produktionshallen und achten beim Kauf von Maschinen, Computern oder Verbrauchsmaterialien auf eine ausgezeichnete Öko-Bilanz.

Warum tun sie das? – Weil es sinnvoll ist. Weil man damit tatsächlich langfristig Kosten sparen kann. Weil man damit Verantwortung übernimmt und weil ein solches Engagement für die Kundschaft immer wichtiger ist. Mit Umweltbewusstsein, verantwortungsvollem Umgang mit Ressourcen und fairen Produktionsbedingungen gewinnt man heute immer öfter Sympathien und etabliert ein positives Image.

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Warum sollte man bei der Beschaffung von neuer Arbeitskleidung auf Nachhaltigkeit verzichten?

Ja; Sie haben Recht: Es gibt keinen guten Grund dafür. Natürlich ist es aufwendiger, nach vertrauenswürdigen Lieferanten zu suchen. Doch das ist beim Einkauf von anderen Produkten auch so. –  Natürlich muss man unterscheiden zwischen echtem Engagement und «Greenwashing», bei dem die Maxime lautet: «10 Prozent Conscious, 90 Prozent Werbung». Hier die Spreu vom Weizen zu trennen, ist eine Herausforderung – auch in der Textilbranche. Dass sich der Aufwand jedoch lohnt, sehen Sie weiter unten.

Vorsicht Stolperstein «Greenwashing»!

Als Beispiel in der Modebranche nennt Public Eye etwa H&M oder Zara. Sie entwickeln eigene Kollektionen, die sich «an schwammigen Kriterien orientieren, keinen Existenzlohn garantieren oder sich unabhängigen Kontrollen entziehen». Mehr Marketing als echtes Engagement also.

Doch warum treffen Produzenten solche teilweise irreführenden Massnahmen? Weil Konsumentinnen und Konsumenten vermehrt nachhaltig und fair produzierte Waren kaufen wollen. Einige kleine Labels (wie beispielsweise Rotauf oder Erfolg) setzen daher als Gegenpol konsequent auf Nachhaltigkeit. Sie schaffen teilweise die nötige Transparenz über die gesamte Beschaffungskette und kommunizieren auch über allfällige Defizite oder Lücken. Das ist fair, transparent und weckt Vertrauen.

Und wie ist die Situation in der Corporate Fashion- und Arbeitsbekleidungsbranche?

Auch im B2B-Bereich hat eine Sensibilisierung stattgefunden: Nachhaltig produzierte Bekleidung wird immer mehr nachgefragt. Die öffentliche Hand wie beispielsweise armasuisse oder Grossunternehmen wie die Migros verlangen heute oft Transparenz und Offenlegung der gesamten Beschaffungskette. Mit gutem Grund: Stellen sie sich vor, plötzlich würde publik, dass die neueste Bekleidung der Migros-Angestellten oder Uniformen der Armee von Kindern in der dritten Welt genäht worden sind oder der Stoff aus pestizid-verseuchten Baumwollfeldern stammt. Der Reputationsschaden wäre enorm.

Doch; wie können wir sicher sein, dass unsere Arbeitskleidung fair, umweltverträglich und ressourcensparend produziert werden?

Sie möchten über Ihr konkretes Beschaffungsprojekt reden? Sehr gerne! Vereinbaren Sie einfach einen unverbindlichen Gesprächstermin.

Initiative «Nachhaltige Textilien Schweiz»: Engagement mit Zukunft

Wichtige und gute Impulse gab die Initiative «Nachhaltige Textilien Schweiz» an ihrem Zukunftslab 2018. (Mehr Informationen dazu finden Sie in der Linksammlung am Schluss des Artikels.) Rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Wirtschaft, Wissenschaft, NGOs und der öffentlichen Hand haben über das Thema «Nachhaltigkeit innerhalb der gesamten Textilwertschöpfungskette» diskutiert und folgende 6 Zielbilder für eine nachhaltige Schweizer Textilindustrie im Jahr 2035 beschrieben:

  • Zielbild 1: Dank der Zusammenarbeit von Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft und öffentlicher Hand und der daraus resultierenden technologischen, gesellschaftlichen und politischen Innovationen nimmt die Schweiz wieder eine Vorreiterrolle in der nationalen und internationalen Textil- und Bekleidungswirtschaft ein.
  • Zielbild 2: Rohstoffe zirkulieren global optimal in Kreisläufen; Primär- und Sekundarrohstoffe in der Schweiz werden nachhaltig bewirtschaftet.
  • Zielbild 3: Transparenz innerhalb der Herstellungsprozesse und stärkere Verknüpfung im Kreislauf haben eine sozialverträgliche, umweltfreundliche und profitable Produktion geschaffen.
  • Zielbild 4: Design ist Ökodesign, und Designer fördern in ihren kreativen Prozessen proaktiv die Gestaltung, Zerlegung und Wiederverwertung von Textil-Materialien.
  • Zielbild 5: Bei der systemischen Betrachtungsweise der Wertschöpfungsketten sind Konsumenten und Grosskunden stark eingebunden und prägen die Entstehung von neuen innovativen Geschäftsmodellen für einen nachhaltigen Konsum.
  • Zielbild 6: Die Wirtschaft, Investoren und der Staat gewährleisten die kontinuierliche Verankerung des sozialen Verantwortungsprinzips innerhalb der Wertschöpfungsketten und tragen so zu einer wettbewerbsfähigen Textil- und Bekleidungswirtschaft bei.

Vielversprechende Ziele und Massnahmen, die sich auszahlen werden. Davon bin ich überzeugt und werde natürlich dranbleiben und die weitere Entwicklung mitverfolgen. Meine Erkenntnisse teile ich gerne mit Ihnen – hier im Blog oder gerne auch im persönlichen Gespräch.

Mehr Transparenz in der Supply Chain ist gefragt

Klar ist: Es braucht mehr Transparenz auf Seiten der Produzenten, damit Einkäuferinnen und Einkäufer wie Sie eine solide Grundlage für gute Entscheidungen bei der Beschaffung haben. Dabei zählen soziale Aspekte bei der Verarbeitung genauso wie der verantwortungsvolle Umgang mit der Natur: und zwar im gesamten Produktlebenszyklus.

(Quelle: https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/wirtschaft-konsum/fachinformationen/nachhaltige-textilien.html#2027890045)

Workfashion und Albiro zum Beispiel veröffentlichen als Mitglied der «Fair Wear Foundation» regelmässig einen Nachhaltigkeitsbericht. Andere Anbieter machen vereinzelte Aussagen auf ihren Webseiten, ohne jedoch konkrete, überprüfbare Nachweise zu erbringen.

Übersicht verloren vor lauter Labels und Gütesiegel? Am Schluss des Artikels finden Sie einen Link auf die wichtigsten Labels im Textilbereich.

Aufwendiges Monitoring über die gesamte Lieferkette ist nötig

Die Lösung wäre einfach: Anbieter von Berufs- und Arbeitskleidern könnten die erforderlichen Nachweise beispielsweise mit einem «Sustainable Supply Chain Management (SSCM)» erbringen. Da jedoch einzelne Unternehmen in der Beschaffungskette zögern, Daten über ihre Kernprozesse und -produkte offen zu legen, braucht es ein Monitoring. Nur so ist sicherzustellen, dass die ganze Lieferkette tatsächlich nachhaltig ist. Dies ist jedoch mit einem hohen Aufwand verbunden und bedingt enge Partnerschaften über die gesamte Beschaffungskette. Wer die verschiedenen Player im Markt kennt und die Trends im Textilmarkt laufend verfolgt, ist im Vorteil.

Weiter unten stelle ich Ihnen gerne einige vertrauenswürdige Anbieter vor, die ich persönlich kenne und mit denen ich seit Jahren zusammenarbeite.

Mehr Nachhaltigkeit = mehr Qualität

Durch die intensive Auseinandersetzung und eine enge Zusammenarbeit über die gesamte Supply Chain können Kosten eingespart und die Effizienz gesteigert werden. Zudem bin ich überzeugt, dass nachhaltig produzierte Bekleidung auch qualitativ besser ist. Der Mehrpreis für nachhaltige Qualität rechtfertigt sich für die Nutzer durch Vorteile wie:

  • längere Lebensdauer
  • erhöhte Zufriedenheit der Mitarbeitenden
  • positiver Beitrag zur Ökobilanz
  • Imagestärkung als verantwortungsvolles Unternehmen

Es lohnt sich also auch bei der Beschaffung von Berufstextilien, die richtigen Partner zu suchen. Denn: Wer nichts zu verbergen hat, liefert qualitativ hochwertigere Produkte und Dienstleistungen. Transparenz schafft Vertrauen und führt zu langfristigen, zufriedenen Kundenbeziehungen. Darum bin ich zuversichtlich, dass immer mehr Hersteller die Beschaffungskette ihrer Produkte offenlegen werden. Denn Transparenz wird zunehmend zu einem Erfolgsfaktor – auch in der Schweizer Corporate Fashion Branche.

  • Was ist Ihnen wichtig bei der Beschaffung von Arbeitskleidern? Ich freue mich auf Ihre Meinung, Erfahrungen und Ansichten zu Nachhaltigkeit und Qualität. Hinterlassen Sie doch einfach einen Kommentar im Formular unten.
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Und hier noch die versprochenen Zusatzinformation:

  • Hier finden Sie einige vertrauensvolle Partner, mit denen ich regelmässig zusammenarbeite.
  • Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft war auch Thema an der A+A Düsseldorf im letzten Herbst. Erfahren Sie mehr in meinem Video.

Externe Links: für Sie gesammelt.