Beschaffungskette Arbeitskleider: Wer hat Angst vor Transparenz – und warum eigentlich?

Gutes tun ist gar nicht so einfach. Da will man ökologische und soziale Verantwortung übernehmen und sucht nach nachhaltigen Lösungen bei der Beschaffung der neuen Firmenbekleidung. Doch dann: Wo soll man sich informieren? Worauf muss man achten? Und welchen Informationen kann man trauen? Hier ein Versuch, Klarheit zu schaffen.

Haben Sie schon mal versucht, sich über die gesamte Supply Chain von Corporate Fashion, Schutz- und Arbeitskleidern verlässliche Informationen zu beschaffen? Über die Herkunft der Rohstoffe, über Arbeitsbedingungen und Umweltverhalten bei der Fertigung und Konfektionierung, über die Wege der Logistik bis hin zur Entsorgung oder Wiederverwertbarkeit?

Wunderbar! Dann haben Sie eine wichtige Forderung von Public Eye, SECO und Swiss Textiles befolgt:

«Die Kunden sollen verstärkt Transparenz als Bestandteil des Angebots verlangen.»

Transparenz über die gesamte Supply Chain

Und was haben Sie gefunden? Oft sind es allgemeine Aussagen, – oder sollten wir sagen: «Floskeln»? – die auf den Webseiten der verschiedenen Anbieter zu finden sind. Schwer einzuschätzen, was sie genau bedeuten und noch schwerer, sie verlässlich zu verifizieren.

Natürlich ist es aufwendig, die gesamte Beschaffungskette auf Nachhaltigkeit zu prüfen und sauber zu dokumentieren. Klar ist aber auch, dass die Anbieter diesen Aufwand nur betreiben, wenn die Kunden auf diese Transparenz beharren.

Bemerkenswert ist ja, dass es scheinbar einfacher (und für gewisse Lösungsanbieter auch ein attraktives Geschäft) ist, für das Ende der Lebensdauer einer Arbeitstextilie eine Lösung zu finden, sei es durch Recycling oder Downcycling. Auch in der Textilindustrie gibt es die Vision einer Kreislaufwirtschaft. Doch damit ein Rohstoff, wie zum Beispiel Baumwolle als Zellulosefaser, im Kreislauf bleiben und zu einem gleichwertigen Rohstoff verarbeitet werden kann, muss die gesamte Beschaffungskette bis ins kleinste Detail bekannt sein. Also ist das weitgehend noch Zukunftsmusik. Ich verfolge die Entwicklung sehr aufmerksam. Erste Lösungsansätze sind vorhanden und gerne informiere ich Sie hier im Blog oder bei einem persönlichen Gespräch über die Fortschritte.

Wiederverwertung oder Entsorgung: Was ist sinnvoll?

Der Aufwand für ein konsequentes Monitoring der Beschaffungskette ist sehr, sehr gross (und vielleicht auch der Druck der Kunden nach echter Transparenz für nachhaltige Produkte noch zu klein). So strebt man nach mehr oder weniger nachhaltigen Lösungen via Textilverwertung. Doch eine sichere Entsorgung ist teuer und bei genauem Hinschauen auch nicht wirklich so nachhaltig: Firmenlogos auf den Textilien müssen aufwendig entfernt werden, damit ein Missbrauch mit alter Firmenbekleidung ausgeschlossen werden kann. Das ist aufwendig und teuer. Und das Recyclingprodukt ist oft nur minderwertige Ware, die kurzfristig verwendet werden kann – wenn überhaupt. Aus diesen Gründen wird oft die thermische Verwertung bevorzugt. Und das ist ja auch nicht eine wirklich befriedigende Lösung.

Das sagen die Experten

Im Gespräch mit Nina Bachmann, Leiterin Technologie und Umwelt bei Swiss Textiles, Christa Luginbühl, Fachleitung Konsum, Landwirtschaft und Gesundheit bei Public Eye und Christian Robin, Stv. Leiter Handelsförderung des SECO wurde klar: Alle drei Vertreter sind der Meinung, dass Unternehmen für ihre Beschaffungskette verantwortlich sind. Diese Verantwortung beginne bei den direkten Lieferanten/Konfektionären (Tier 1, teilweise Tier 2) und ende beim Verkauf mit Blick auf die sinnvolle Entsorgung/Verwertung.

Wer also nachhaltig wirtschaften will, muss von Anfang an daran denken, was mit einem Bekleidungsteil am Ende der Lebensdauer passieren soll. Nebst Tragekomfort, Sicherheit oder Widerstandskraft ist eben auch das geplante Ende der Lebensdauer eines Bekleidungsteil ein Aspekt, den man bei der Beschaffung beachten sollte. Manchmal sind reine Materialien (z. B. 100 Prozent Baumwolle) besser als Mischgewebe, Polyestermembrane besser als PFTE (z. B. Gore-Tex).

Lesen Sie mehr zum Thema «Nachhaltige Arbeitskleider sorgenfrei beschaffen – aber wie?» oder lassen Sie uns persönlich über Ihre Ansprüche an Nachhaltigkeit in der Beschaffung von Arbeitskleidern reden.

Keine Angst vor Transparenz

Einig sind sich die drei Vertreter auch darin, dass Kunden bei Ausschreibungen nachhaltige Arbeitskleider einfordern sollen. Und zwar soziale und ökologisch nachhaltig. Mit einem eigenen Monitoring, ergänzt durch externe Audits, sollen die Einhaltung der Anforderungen überwacht werden.

Um ein solches Monitoring aufzubauen, ist es nötig, dass die Lieferanten offenlegen, mit welchen Rohstoffen und bei welchen Produzenten sie die Kleider herstellen lassen. Dass sie es meist immer noch nicht tun, hat mit der Angst zu tun, dass Kunden sie umgehen und Arbeitskleider direkt beschaffen könnten. Doch gemäss den Experten stelle die Transparenz keine Gefahr für die Lieferanten dar, da die Herstellung sehr komplex sei und zwischen Anbieter und Abnehmer ein direkter Bezug bestehe. Im Gegenteil: Diese Transparenz wird zunehmend zu einem Wettbewerbsvorteil in einem Markt, der immer mehr auf Nachhaltigkeit setzt.

Qualität wichtiger als der Preis

Das neue Beschaffungsgesetz des Bundes ((https://www.bkb.admin.ch/bkb/de/home/oeffentliches-beschaffungswesen/revision-des-beschaffungsrechts.html) wird für die Schweizer Anbieter ein Vorteil darstellen, da Qualität ein grösseres Gewicht erhält als der Preis. Die öffentliche Hand soll mit gutem Beispiel vorangehen und für Nachhaltigkeit klar definierte, hohe Anforderungen stellen. Damit kann die Privatwirtschaft ermuntert werden, ebenfalls nachhaltiger zu beschaffen und so ihren Teil zu einer nachhaltigen Zukunft beizutragen.

Sozial, ökologisch und wirtschaftlich

Nachhaltigkeit ist meiner Meinung nach immer sozial, ökologisch und auch wirtschaftlich zu betrachten. Dabei ist es wichtig, zu wissen, was man als Kunde tun kann. Was machbar und vernünftig ist, soll man konsequent fordern und tun und das Vorgehen stetig verbessern. Mit meinem Branchenfachwissen kann ich Sie dabei unterstützen. Ich kenne die Mechanismen, die komplexen Beschaffungswege und weiss, wie sich der Markt entwickelt. Somit kann ich neue Erkenntnisse und Fortschritte in der nachhaltigen Produktion, Logistik und (Wieder-) Verwertung in Beschaffungsprojekte einbringen.

Noch ist nicht alles machbar, was aus Sicht der Nachhaltigkeit wünschenswert wäre. Und nicht alles, was gemacht wird, ist vernünftig und zielführend. Lassen Sie uns gemeinsam die richtige Lösung für Ihre nachhaltige Beschaffung von Arbeitskleidern finden und effektiv realisieren.

Sie wollen mehr erfahren? Vereinbaren Sie jetzt einen persönlichen Gesprächstermin.

Interessant für Sie:

Links für Sie gesammelt:

https://www.swisstextiles.ch/

https://www.publiceye.ch/de/

https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/wirtschaft-konsum/fachinformationen/nachhaltige-textilien.html

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